Großstadtmelodien – Lisa Batiashvili verzaubert mit “City Lights”

Einen passenderen Titel als “City Lights”, entlehnt von Charlie Chaplins Film “Lichter der Großstadt”, hätte die Geigenvirtuosin Lisa Batiashvili für ihr neues Album nicht finden können – zum einen, weil sie den Komiker schon seit ihrer Kindheit verehrt, zum anderen weil sie mit ihrer Aufnahme elf für sie persönlich wichtigen Städten ein Denkmal setzt. Dabei lotet die gebürtige Georgierin ganz unterschiedliche Genres von Klassik über Jazz bis hin zum Pop aus.

Mit “City Memories”, einem Medley aus Soundtracks für Chaplin-Streifen wie “Modern Times” oder “Limelight”, beginnt die musikalische Reise. Dieses Eröffnungsstück kann man nicht oft genug hören – um Lisa Batiashvilis eindringlichem Spiel nachzuspüren, mit denen sie uns diese Meisterwerke der Filmgeschichte wieder in Erinnerung ruft.

Über Bachs “Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ”, arrangiert vom schwedischen Komponisten Anders Hillborg und als Hommage an ihre Wahlheimat München gedacht, geht es weiter nach New York, einem zentralen Bezugspunkt für ihre internationalen Karriere. Der nächste Halt: Wien, welchem Lisa Batiashvili mit dem berühmten Largo aus Dvoráks “Symphonie aus der Neuen Welt” beziehungsweise mit Strauss‘ “Furioso Galopp” Werke aus diesem Kontext widmet.

Mindestens ebenso spannend ist es dort, wo sich Lisa Batiashvili anderen Stilen öffnet.

Piazzollas “Adiós Nonino – Vuelvo al sur – Buenos Aires hora cero” erweist dem Tango seine Reverenz. Auf diese Weise huldigt die Musikerin nicht nur der argentinischen Hauptstadt, sondern zwei Künstlern, die dort geboren wurden: ihrer früheren Geigenlehrerin Ana Chumachenco sowie dem Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, mit dem sie regelmäßig zusammenarbeitet.

Weitere Gäste sind Till Brönner und Katie Melua. Wenn sich der Trompeter für das durch Marlene Dietrich berühmt gewordene “Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin” zu Lisa Batiashvili gesellt, changieren die Melodien überzeugend zwischen Jazz und Klassik.

Katie Meluas London-Hymne “No Better Magic” dagegen weist klar in Richtung Pop. Das stimmungsvolle “Abendlied” oder “Die Lerche” knüpfen an Volkslieder an – liebevoller hätte Lisa Batiashvili Helsinki, wo sie als Jugendliche den zweiten Platz beim Sibelius-Wettbewerb belegte, und Bukarest nicht ehren können.

Natürlich verneigt sie sich auch vor Paris: Mit “Paris violon” erklingt eine individuell ausgestaltete Michel-Legrand-Komposition. Wehmütig leichte Höhepunkte sind bei diesem Stück die Violine-Oboe-Duette. Das “Love Theme” aus “Cinema Paradiso”, einem Lieblingsfilm der Geigerin, verströmt zarte Nostalgie und symbolisiert zugleich Lisa Batiashvilis Bewunderung für Ennio Morricone und ihre Liebe zu Rom, jener Stadt, in der die Musikerin lange als Artist in Residence des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia lebte. Ihre Version, bei der sie der Cellist Maximilian Hornung begleitet, steht für belcantesken Schönklang auf der Geige.

Egal, wohin sich Lisa Batiashvili mit ihrem Album “City Lights” musikalisch auch bewegt: Am Ende sind es alles Glanzlichter großer Städte, mit persönlicher Note perfekt musiziert.